Der neue Flugplatz

Durch die Auflassung des alten Messerschmitt-Flugplatzes ergab sich für die Segelflieger der Region Augsburg die Notwendigkeit, sich auf dem neuen Augsburger Flugplatz wieder neu einzurichten. Es ist verständlich, daß eine solche Zwangsmaßnahme große Anforderungen an alle Beteiligten stellt. Die Augsburger Segelflieger besaßen auf dem alten Platz eine Segelflugzeughalle von 750 qm Fläche, dazu eine Bunkerwerkstatt in einem alten Sanitätsbunker. Die anderen Gruppen waren teilweise in eigenen Holzbaracken untergebracht, die abseits vom Flugplatz lagen.

Ende 1966 mußten die Segelflieger damit beginnen, neue Überlegungen anzustellen, wie, in welchem Umfang und in welcher Form die neuen Anlagen auf dem neuen Augsburger Flugplatz gestaltet werden sollten. Die wirtschaftliche Situation begann um diese Zeit schwieriger zu werden und die ganze Umzugssituation stand unter einem finanziell äußerst schwierigen Aspekt. Nicht wenige Stimmen waren deshalb zu hören, die sich mit einer kleinen behelfsmäßigen Lösung zufrieden geben wollten. Nach unseren heutigen Erfahrungen kann jedoch gesagt werden, daß das das Ende der Augsburger Segelfliegerei bedeutet hätte.

Es war deshalb ein glücklicher Zufall, daß zu dieser Zeit dem Augsburger Verein für Segelflug ein Vorstand und ein Bauausschuß zur Seite stand, der die Dinge langfristig zu durchdenken gewillt war und der auch den Mut hatte, übersehbare Risiken finanzieller Art auf sich zu nehmen. Es kam also nach einer Unzahl von Besprechungen, nach einer Unzahl von Vorentwürfen und Diskussionen zu einem, den heutigen Zeitverhältnissen und auch der Zukunft angepaßten zweckmäßigen und großzügigen Lösung.

So wie am Schluß der Vorplanungsarbeiten die Anlagen in einer Perspektivskizze Ende 1966 zunächst auf dem Papier als Vision aufgezeichnet wurden, so stehen sie heute in der Natur, teilweise bis in die Details genau.

Rückblickend darf man heute feststellen, daß das ganze Unternehmen in einer glücklichen Kombination von verständnisbereitem Vorstand, einer rationellen Planung und dem Arbeitswillen der Mitglieder in die Tat umgesetzt werden konnte.

Es entstand eine Großwerkstatt mit 6 Einzelboxen a 50 qm, die sich um einen überdachten Innenhof gruppieren. Damit haben 6 Gruppen des Augsburger Raumes unmittelbar am Flugplatz ihre Werkstätten. Jede Gruppe hat eine eigene Werkstattbox für die sie eindeutige Eigenverantwortung trägt. Trotzdem ist jede nur denkbare Zusammenarbeit zwischen den Gruppen infolge der räumlichen Konzentration möglich. Darüber hinaus entstand ein dringend notwendiger Clubraum, auch für die Familienangehörigen, sowie die notwendigen Räume für Flugleiter, Jugendunterricht und die sanitären Anlagen.

Zwei moderne Segelflugzeughallen zu je 630 qm ermöglichen einen reibungslosen Flugbetrieb. Die Hallen sind nach modernsten Gesichtspunkten konstruiert und ermöglichen eine sofortige Entnahme der Segelflugzeuge ohne die früher notwendige umständliche Schachtelung in nur einseitig zugängigen großen Hallen. Die neuen Segelflugzeughallen haben verschiebbare Tore auf beiden Längsseiten, so daß eine viel größere Zugriffmöglichkeit zu den Flugzeugen gegeben ist. Diese Anordnung wurde ausgewählt im Hinblick auf die Möglichkeit des Wochenflugbetriebs und nicht zuletzt auf die sich anbahnende Entwicklung der Motorsegelfliegerei.

Alle diese Baumaßnahmen wären jedoch Stückwerk geblieben, wenn nicht die Stadt Augsburg das Fluggelände in einem vorbereiteten Zustand zur Verfügung gestellt hätte. Damit wurden die Grundvoraussetzungen zu diesen Hochbauten erst geschaffen. Die gesamte Anlage, wie sie heute auf dem neuen Augsburger Flugplatz steht, ist sicherlich mit eine der schönsten, zweckmäßigsten Segelfluganlagen in ganz Deutschland.

Die Verständnisbereitschaft der Stadt Augsburg in Verbindung mit dem Leistungswillen der Segelflieger, haben hier ein Werk von überörtlicher Bedeutung geschaffen. Neben der Stadt Augsburg haben eine ganze Reihe von Gönnern diese Baumaßnahme tatkräftig unterstützt. Ohne deren Hilfe wären wir nicht in der Lage gewesen, den Bau bis zum heutigen Zustande zu führen. Wir glauben aber, daß alle diejenigen, die uns - sei es mit Geld oder mit Materialien - unterstützt haben, auch sehen, daß aus ihren Spenden mit Hilfe der Arbeitsleistungen der Segelflieger etwas sehr Vernünftiges entstanden ist. Wiederholt wurde uns ohne Aufforderung bestätigt, daß man uns gern unterstützt hat, weil die Segelflieger jede Mark, die man ihnen gibt, im Wert verdoppeln oder verdreifachen. Trotz all dieser Spenden, trotz einer eigenen Darlehensaktion der Segelflieger und trotz weitgehendem eigenen Arbeitseinsatz, wodurch mindestens Beträge um 50 bis 80000,- DM eingespart wurden, mußte aus der Zwangslage heraus noch eine bemerkenswerte Zwischenfinanzierung eingegangen werden. Ohne diese Zwischenfinanzierung gäbe es heute keinen Augsburger Segelflug mehr.

Heute wird die fast aus dem Nichts geschaffene Anlage von jedermann bestaunt. Deshalb hoffen wir zuversichtlich, daß die ungewöhnliche Leistung unserer Segelflieger noch nachträglich von Staat und Öffentlichkeit honoriert wird und die bisher ausgebliebenen Zuschüsse in Anbetracht der inzwischen verbesserten Wirtschaftslage in diesem besonderen Ausnahmefall nachgeholt werden.

© 2004 Augsburger Verein für Segelflug e.V. (Angaben Gemäß §6 TDG)